Linux für alte Rechner 64 Bit

Inhaltsverzeichnis

  1. Prozessor
  2. Arbeitsspeicher
  3. Grafikkarte
  4. Festplatte
  5. Anwendungen
  6. Lubuntu und weitere Alternativen
  7. Test mit emulierter Hardware
  8. zRam
  9. Problembehebung
  10. Apple Hardware
  11. Links

Immer wieder angefragt werden Hinweise zum Betrieb von Ubuntu auf älterer oder auch obsoleter (Sperrmüll-) Hardware. Bei Beachtung einiger Grundregeln lassen sich ältere Geräte "recyclen" bzw. weiternutzen und man leistet einen aktiven Beitrag zur Vermeidung von Elektronikschrott.

Prinzipiell wird der mögliche Verwendungszweck eines Rechners durch vier Faktoren bestimmt:

  • Prozessor

  • Arbeitsspeicher (RAM)

  • Festplatte

  • Anwendungen

Um die Lektüre dieses Artikels etwas abzukürzen: Desktop-Rechner der Pentium IV-Generation oder neuer können problemlos mit Ubuntu genutzt werden, wenn man für ausreichend Arbeitsspeicher sorgt. Damit ist Linux eine Alternative für ältere Rechner mit Windows XP, das bis April 2014 und Windows 7, das bis Januar 2020 unterstützt wurde. Leider kann inzwischen auch eine zu alte Grafikkarte dafür sorgen, dass ein Rechner mit Ubuntu nur eingeschränkt nutzbar ist (siehe Problembehebung). Hier bieten sich Lubuntu oder ein einfacher Fenstermanager wie Fluxbox oder mwm an.

Prozessor¶

Von diesen vier Faktoren ist der Prozessor unter Linux relativ unkritisch. Es können nur noch Prozessoren mit 64-Bit-Architektur verwendet werden, was aber die meisten CPUs seit 2006 unterstützen. Überprüft werden kann dies mit folgendem Befehl:

Erscheint hier 64-Bit, ist die CPU geeignet.

Arbeitsspeicher¶

Der für den Linux-Einsatz entscheidende Faktor heißt Arbeitsspeicher (RAM): je mehr, desto besser! Sollte sich der Arbeitsspeicher aufrüsten lassen, ist dieser Punkt wichtiger als die Frage nach anderen Hardware-Komponenten oder nach einer geeigneten Ubuntu-Variante bzw. Linux-Distribution.

Die Mindestanforderungen stellen praxisrelevante Werte dar und können je nach Anforderung variieren, Systeme unter 1 GiB sind kaum sinnvoll mit einer grafischen Desktopumgebung nutzbar.

Systemanforderungen
Derivat Mindestanforderung Empfohlen
Lubuntu 1 GiB > 1,5 GiB
Xubuntu 1 GiB > 2 GiB
Kubuntu 2 GiB > 4 GiB
Mate 1,5 GiB > 4 GiB
Budgie 1,5 GiB > 4 GiB
Ubuntu 2 GiB > 4 GiB

Bei noch weniger RAM (ab 512 MiB) ermöglichen sog. Fenstermanager (auch als Window-Manager bzw. WM bezeichnet) die Nutzung älterer Hardware, auch wenn sie nicht den Komfort einer vollständigen Desktop-Umgebung bieten (siehe Fluxbox, Openbox, IceWM, Enlightenment usw).

Unterhalb von 384 MiB Arbeitsspeicher ist keine benutzbare grafische Oberfläche mehr möglich. Aber ein Linux-System kann – im Gegensatz zu anderen Betriebssystemen – trotzdem immer noch produktiv genutzt werden. Beispiele für Programme speziell für den Textmodus (Konsole) bzw. die Kommandozeile sind links2, cmus, NeoMutt oder Taskwarrior (siehe auch Shell/Anwendungen). Sehr langsame Desktop-Rechner können in vielen Situationen noch für einfache Serverdienste wie Web- oder Fileserver genutzt werden.

Experten-Info:

Es kann helfen, zur Installation den Arbeitsspeicher kurzzeitig zu erweitern und erst nach der Installation wieder zu reduzieren. Alternativ baut man die Festplatte zur Installation in einen besser ausgestatteten Rechner ein (siehe auch Problembehebung). Eine UEFI-Installation (sofern man diese durchführt) erfordert, dass auf dem Zielsystem eine GRUB-Reparatur durchgeführt wird, sodass ein Eintrag im UEFI zum Booten vorhanden ist.

Grafikkarte¶

Auf Computern mit älteren Grafikkarten sollte Lubuntu oder Xubuntu oder ein schlanker Fenstermanager eingesetzt werden. Dazu zählen ältere Intel-Grafikkarten, Grafikkarten der Firmen VIA, S3, Matrox und 3dfx sowie ältere Karten von Nvidia (älter als 8000-Serie) und ATI. KDE bzw. GNOME sind für solche Grafikkarten ungeeignet, da die Oberfläche träge wird und die CPU-Auslastung sehr hoch sein wird, da die Berechnung der Grafikeffekte auf der CPU erfolgt.

Lubuntu hat mit LXQt eine Oberfläche, die ohne Effekte auskommt und daher für solche Systeme besser geeignet ist.

Festplatte¶

Die Festplatte ist selten der begrenzende Faktor. Leider lässt sich diese aufgrund von BIOS-Beschränkungen oder fehlenden Schnittstellen (PATA statt SATA) nicht immer in beliebiger Größe nachrüsten bzw. austauschen. Problematisch ist aber eher die meist dürftige Geschwindigkeit älterer Festplatten; Ubuntu selbst kommt mit ca. 8 GiB (ohne Anwenderdaten) aus. Und selbst dieser Platzbedarf kann durch die Auswahl geeigneter Anwendungen oder Deinstallation nicht benötigter Komponenten weiter einschränkt werden. Als praxistauglicher Wert für eine langfristige Nutzung haben sich 10 - 20 GiB bewährt. Dann bleibt ausreichend freier Platz zum Nachinstallieren von Software und zur Zwischenspeicherung von Sicherheitsaktualisierungen.

Eine Server-Installation oder Minimalinstallation und das Metapaket xorg als Grundlage für den Einsatz eines sparsamen Fenstermanagers benötigen mindestens 750 MiB.

Anwendungen¶

Firefox, LibreOffice und viele andere Software-Highlights der Open-Source-Szene sind auf älterer Hardware manchmal nur langsam nutzbar. Doch auch in diesem Bereich kann Linux glänzen, da zu fast jedem Programm weniger anspruchsvolle, aber dennoch praktisch nutzbare Alternativen existieren. Was aber nicht vergessen werden darf: Als Kehrseite der Medaille ist gerade hier mit Einbußen im Benutzerkomfort gegenüber den normalerweise in Ubuntu und seinen offiziellen Varianten enthaltenen (grafischen) Konfigurationsmöglichkeiten und Anwendungen zu rechnen.

Moderne Browser wie Firefox oder Chromium benötigen für das flüssige Surfen, Abspielen von Videos auf Webseiten etc. einiges an Ressourcen. Mindestens 4 GB RAM sind hier für alle Desktopumgebungen sinnvoll.

Lubuntu und weitere Alternativen¶

Ubuntu ist nicht speziell für alte Hardware geschaffen worden. Unter den offiziellen Derivaten ist Lubuntu die Variante mit dem wenigsten Ressourcenhunger.

Wer noch schlankere Alternativen sucht, wird ggf. bei anderen Distributionen fündig:

Light-weight Linux distribution

Hinweis:

Ein PC mit Core-2-Duo-Prozessor, mindestens 2048 MiB Arbeitsspeicher und einer 20 GiB Festplatte ermöglicht in Verbindung mit den in den Unterartikeln vorgestellten Alternativen einen komfortablen Desktop-Rechner für Internet, E-Mail und einfache Büroarbeiten. Kein Computer wird allein durch Linux schneller.

Test mit emulierter Hardware¶

Experten-Info:

Der folgende Abschnitt setzt ein relativ leistungsstarkes System für die Emulation voraus. Wichtig sind außerdem Erfahrungen im Umgang mit Virtualisierung und Emulation sowie grundlegende Kenntnisse über die Unterschiede der verschiedenen x86-Prozessor-Generationen.

Wer zuerst testen möchte, wie sich eine der oben genannten Linux-Distributionen auf "alter Hardware" verhält, kann das relativ leicht mit QEMU realisieren. QEMU emuliert über die Startoption -M WERT ältere x86-Prozessoren. Mögliche Werte für WERT sind 486, pentium oder pentium2. Den für QEMU verfügbaren Arbeitsspeicher stellt man über die Startoption -m GRÖSSE (in MiB) ein. Wer die ganze Sache noch ein wenig verschärfen möchte, lässt QEMU ohne kqemu-Modul laufen und stellt die Prozessortaktung des Wirt-Rechners auf den minimalen Wert (in der Regel Powersave) ein.

zRam¶

Auf Rechnern mit ausreichend CPU-Leistung, aber zu wenig RAM kann zRam Abhilfe schaffen, indem der RAM-Inhalt komprimiert wird. Die CPU-Auslastung und auch die Latenz erhöht sich dadurch.

Problembehebung¶

Falls der Rechner nicht mit vom Live-System starten kann oder andere Probleme mit dem Installations-Stick auftreten, kann evtl. der Wiki-Artikel Installation (Abschnitt „Weitere-Hinweise“) weiterhelfen. Dort sind auch alternative Installationsmethoden zu finden. Als Ausweg kann man auch die Festplatte in einen anderen PC einbauen, dort installieren und anschließend die Festplatte wieder in den Ursprungsrechner einsetzen. Hierbei ist zu beachten, dass keine UEFI-Installation durchgeführt werden darf, es sei denn, der Ziel-PC hat UEFI (ca. ab 2012).

USB¶

Der Universal Serial Bus (USB) spielt heute eine entscheidende Rolle beim Anschluss externer Hardware-Komponenten. Viele ältere Mainboards haben nur USB 2.0 bzw. an manchen Ports sogar nur USB 1.1. Die Geschwindigkeit von Datenübertragungen ist dabei wesentlich langsamer als mit USB 3.0, jedoch ist dies für Ubuntu kein Problem. Abhilfe kann in manchen Fällen die Nachrüstung eines USB 3.0-fähigen PCIe-Adapters schaffen. Einige Komponenten wie TV-Karten benötigen mindestens USB 2.0.

Intel-Grafikkarten¶

Seit Ubuntu 13.04 wird für den freien Intel-Grafikkartentreiber die neue Beschleunigunsarchitektur "SNA" (Sandybridge's New Acceleration) verwendet. Bei älteren Intel-Grafikchipsätzen wie ExtremeGraphics, GMA oder auch der ersten Generation HD Graphics (Westmere) können damit Fehler in der Darstellung oder Leistungsprobleme auftreten (1178982). Stattdessen sollte man dann die vorherige, stabile Beschleunigungsarchitektur "UXA" verwenden. Wie man das umstellt, ist im Artikel Grafikkarten/Intel (Abschnitt „Performance-Probleme“) erklärt.

Die Unterstützung alter IGPs von Intel ist auch unter aktuellen Ubuntu-Versionen noch vorhanden.

Bei bestimmten Modellen sind jedoch weitere Schritte erforderlich. Bitte Grafikkarten/Intel (Abschnitt „Spezifische-Probleme“) beachten.

Nvidia-Grafikkarten¶

Ob die eigene Nvidia-Karte noch vom proprietären nvidia-Treiber unterstützt wird, erfährt man im Artikel nvidia. Ist dies nicht der Fall, muss man nouveau nutzen.

Sollte eine Grafikkarte nur noch vom freien Treiber unterstützt werden und dieser nicht fehlerfrei funktionieren, kann man zunächst versuchen, Probleme durch "Feineinstellung" des nouveau-Treibers zu korrigieren (siehe unten, ShadowFrameBuffer-Problem). Falls das nicht hilft, bleibt nur der leistungsschwache VESA-Treiber des Xservers, der allerdings nicht alle Bildschirmauflösungen unterstützt.

Ein häufiges Problem älterer Nvidia-Grafikkarten, das früher mit den proprietären Nvidia-Treibern gelöst werden konnte und jetzt Probleme macht, ist die fehlerhafte Darstellung mancher Icons und Schriften vor bestimmten Hintergründen. Diese werden blass, weiß oder transparent dargestellt, so dass der Monitorinhalt nur schlecht lesbar ist. Es lohnt sich, in diesen Fällen den nouveau-Treiber zu übernehmen (passiert normalerweise automatisch) und dann den ShadowFrameBuffer zu aktivieren.

ATI-Grafikkarten¶

Selbst die mach-Reihe und die Rage-Reihe werden von den freien Treibern unterstützt. Die Radeon-HD-Reihe wird ebenfalls unterstützt. Siehe Grafikkarten/AMD

SIS/VIA/Trident/3dfx¶

Hier wird es schon schwieriger, da diese Hersteller Linux nie gut unterstützten. Im Kernel gibt es für diese Chips jedoch auch Treiber, welche in den xserver-xorg-video*-Paketen enthalten sind. Diese Karten sind jedoch sehr langsam, man sollte einen einfachen Fenstermanager für bestmögliche Geschwindigkeit verwenden.

Apple Hardware¶

Ubuntu kann auch auf älteren iMacs und MacBooks mit Intel-CPU installiert werden. Die Unterstützung für die älteren PowerPC-Prozessoren wurde eingestellt. Weitere Infos sind im Artikel Apple Computer zu finden.

Links¶

  • Linux Distributionen für ältere Thinkpads 🇩🇪 - generell auf ältere Note- und Netbooks übertragbar

Welches Linux für ältere Rechner?

Linux Mint XFCE Die weniger bekannte XFCE-Edition von Linux Mint läuft auch auf älteren Rechnern noch gut, verzichtet dabei aber nicht auf die praktischen Funktionen und Extras, die man von den anderen Linux Mint Editionen kennt. Vorteile: Einsteigerfreundliche Distribution. Viele Funktionen und Extras.

Welches Linux für 10 Jahre altes Notebook?

Ich würde zum Beispiel ein Xubuntu nehmen, wenn es ein bisschen mehr Desktop sein soll, ein bisschen mehr Komfort, das sollte da auf jeden Fall noch gut drauf laufen.

Ist mein Rechner 64 Bit fähig Linux?

Ob Ihr Computer 64 Bit unterstützt, erfahren Sie in der Konsole mit dem Befehl: "cat /proc/cpuinfo | grep lm" Dieser Befehl gibt Ihnen Informationen zum verbauten Prozessor an.

Welches Linux für schwachen Laptop?

Für etwas ältere Notebooks ist die Ubuntu-Variante mit Xfce-Desktop [1] eine gute Lösung und selbst auf einem Netbook wie dem Eeepc 1000H läuft die Distribution noch. Mit dem von einem USB-Stick bootenden Live-System testen Sie zunächst die Hardware-Kompatibilität.

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